Erinnerungen an den globalen Bürgerkrieg, Bd. 1

Ein düsteres Endzeitszenario aus französischer Feder, in amerikanischer Manier… Die Welt ist gespalten. Überall herrschen Armut und Anarchie. Enklaven versuchen, sich am Leben zu erhalten, indem sie das ausbeuten, was noch da ist. Mit kompromissloser Gewalt zerrt man an den letzten Lebenszügen der noch verbleibenden Menschen, um sie für die eigene Produktion und Fortpflanzung zu missbrauchen. Drohnen spüren alles auf, was draußen noch versucht, sich dem Regime entgegenzustellen. So etwas wie Menschenwürde gibt es nicht mehr – Wer sich außerhalb der Enklaven aufhält, hat sich selbst zum direkten Feind der Gewaltherrschaften erklärt…

Verdammt, aber was Mensch und Tier voneinander unterscheidet, ist doch schließlich die Arbeit! Also haben wir auch das Recht, sie wie Tiere zu jagen, oder nicht? (S. 9)

Die Brutalität und Abgestumpftheit der, wie SPLITTER es ausdrückt, „speziellen Interventionskräfte“, wirkten auf mich zunächst abstoßend. Denn die Hauptfiguren, die man als Leser auf ihren Missionen begleitet, sind eben jener gewaltbereiten Enklaven zugehörig, die man als lesender Mensch doch eigentlich grundsätzlich ablehnt – Wie soll man mit einem Trupp gnadenloser Protagonisten sympathisieren? Und wo würde man sich im realen Fall tatsächlich einordnen, wie positionieren? Diese Frage nach der eigenen Ethik fand ich für mich selbst am spannendsten.

So abschreckend die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Militärdiktatur und Gesetzlosigkeit doch ist, Richard Marazano und Jean-Michel Ponzio haben es zwischendurch immer wieder geschafft, dass ich mich in den Raubzug der herrschenden Elite solidarisch einreihte, um mich im nächsten Moment wieder zu schütteln und mir dann die Frage zu stellen, wie dieser Wahnsinn nur entstehen konnte und wo das Ganze nur hinführen soll? Die Oberflächlichkeit verbleibender Lebenswelten innerhalb der Enklaven, die einzig und allein darauf abzielt, die niedrigsten Triebe menschlichen Begehrens zu bedienen, wird grandios gezeichnet.

Seit dem heutigen Tag bin ich ein anderer… Und für die Herren von gestern bin ich der Funke eines Feuers, das bereits die Ruinen der alten Welt verschlingt… (S. 5)

Die Graphic Novel lässt nur bruchstückartig erkennen, dass es vielleicht zu einer erstaunlichen Wende für einen unserer Antihelden kommen könnte. Vielleicht habe ich aber die einen oder anderen prägnanten rätselhaften Schwingungen völlig falsch interpretiert – Ich lasse mich überraschen und freue mich sehr auf den 2. Band, der noch in der Vorbereitung steckt. Besonders interessant fand ich die graphische Aufmachung: Die Figuren wirkte allesamt fotografisch bis real – Ich hatte zeitweilig das Gefühl, echte Darsteller zu betrachten. Das hatte insgesamt einen sehr filmischen Effekt.

Ich bin mit diesem 1. Band super unterhalten worden. Es war spannend von der ersten Seite an, wenn auch die Sprache teilweise sehr platt und amerikanisiert wirkte. Ich weiß noch nicht richtig, wo ich das Buch für mich einsortieren soll, und das finde ich gerade sehr reizvoll – Der 2. Band wird ein absolutes Muss! Ich vergebe 5 von 5 Sternen!

1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne
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SPLITTER Verlag, ISBN: 978-3-96219-028-6 Lieferzeit: Sofort lieferbar Sofort lieferbar, erschienen am: 18.02.2018, Autor: Richard Marazano, Zeichner: Jean-Michel Ponzio, Übersetzer: Tanja Krämling, Einband, Hardcover, Seitenzahl: 56, Band1 von 3

14,80 EUR

inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand

Cover und Abbildungen © Splitter Verlag.

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2 Kommentare zu „Erinnerungen an den globalen Bürgerkrieg, Bd. 1

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